Die Verfassung von 1819

Auch am Königreich Hannover war die napoleonische Zeit mitsamt all Ihren Entwicklungen nicht spurlos vorbeigegangen. Nachdem man unter Napoleon dem Königreich Westfalen angegliedert worden war, wurde das Königreich Hannover, welches allerdings erst seit dem Wiener Kongress unter diesem Namen existierte (vormals Kurfürstentum Braunschweig-Lüneburg oder Kur-Hannover), wieder selbstständig und wurde, wie bereits vor der napoleonischen Zeit, in Personalunion mit England regiert.

Verfassungstechnisch wurde ebenso keine neuen Wege eingeschlagen, sondern auf Bewährtes gesetzt. Reformen aus der Franzosenzeit, wie die Abschaffung der eigenen Gerichtsbarkeit des Adels, des Zunftzwangs und der Abgaben der Bauern, wurden wieder rückgängig gemacht. Im Zug der Restauration wurde zunächst die altständisch-feudale, vornapoleonische Verfassungsordnung eingerichtet. Zwar wurde 1819 die Ständeversammlung nach dem englischen Muster eines Zweikammersystems reformiert, dass die erste Kammer aus Prälaten, Standesherren und Ritterschaft und die zweite Kammer aus Vertretern der Städte und der freien Bauern bestand. Jedoch konnte man sich jahrelang über die Auswahl der Deputierten der Bauernschaft nicht einigen, und in den Städten verhinderten autoritäre Stadtobrigkeiten eine angemessene politische Mitwirkung des mittelständischen Bürgertums. Zudem waren die Befugnisse der Ständeversammlung, also dem angeblichen Parlament, stark limitiert. Von Mitbestimmung konnte keine Rede sein, vielmehr war die Befugnisse der Ständeversammlung dahingehend limitiert, dass man dem König bei der Gesetzgebung beratend zur Seite stand.

Der gesellschaftliche Wandel im Königreich, bedingt durch die Ideen der Aufklärung sowie der Französischen Revolution, war allerdings auch die Rückkehr zur absolutistischen Verfassung bzw. Ständeordnung aufzuhalten. Bürger verlangten mehr politischen Einfluss in den Städten, Bauern verlangten nach Erleichterungen der grundherrlichen Lasten. Voller Neid blickte man auf andere deutsche Staaten, die dem gesellschaftlichen Wandel im Sinne von Reformen und konstitutionellen Verfassungen Tribut zollten.

Die Unzufriedenheit der Bürger entlud sich, wiederum angefacht durch die Ereignisse in Frankreich (Juli-Revolution 1830), im Jahre 1831. Und schon damals war Göttingen der Ort, an dem sich der Unmut der Bevölkerung zum Protest manifestierte. So störte am 8. Januar 1831 eine Gruppe aus Bürgern die Sitzung der Polizeikommission in Göttingen und forderte eine Verfassung nach hessischem Vorbild. Es kam zu einem Menschenauflauf und eine Nationalgarde bildete sich, so dass bis abends die Stadt unter Kontrolle eines gewählten Gemeinderats stand. Nach einem Zusammenzug von Militär übergab dieser aber bereits am 16. Januar 1831 Göttingen wieder der Regierung.

Als Zeichen der Reformwilligkeit und in Reaktion auf die Petitionsbewegung, die den Januarereignissen gefolgt war, wurde der Herzog von Cambridge zum Vizekönig für Hannover berufen. Letztendlich wurde 1833 eine Verfassung erlassen.



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